Lifestyle-Modifikation und Prävention
Bewegung, Muskeltraining, Sturzprävention und ein gesunder Lebensstil gehören zu jeder Osteoporose-Behandlung. Diese Maßnahmen ergänzen Medikamente, wenn eine medikamentöse Therapie empfohlen wird.
Vermeidbare Risikofaktoren reduzieren
Einige Risikofaktoren können Sie selbst beeinflussen: nicht rauchen, Alkohol begrenzen und Untergewicht vermeiden. Rauchen und hoher Alkoholkonsum erhöhen das Risiko für Knochenbrüche. Ein niedriger Body-Mass-Index erhöht besonders das Risiko für hüftnahe Frakturen.
Sturzprävention und Muskelaufbautraining
Stürze sind eine häufige Ursache osteoporotischer Knochenbrüche. Gleichgewicht, Muskelkraft und ein möglichst sicheres Umfeld sind deshalb wichtige Schutzfaktoren. Regelmäßiges Krafttraining stärkt die Muskulatur, setzt Reize für den Knochen und hilft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu erhalten.
Hormontherapie
Bei der Hormontherapie unterscheidet man zwischen menopausaler Hormontherapie, MHT, und Hormonersatztherapie, HRT, bei jüngeren Frauen. Bei Frauen in und nach der Menopause kann eine MHT den Knochenabbau bremsen und das Risiko für Knochenbrüche senken. Bei jüngeren Frauen mit vorzeitigem Verlust der Eierstockfunktion kann eine HRT zum Schutz der Knochengesundheit wichtig sein. Nutzen, Dauer und mögliche Risiken müssen immer individuell ärztlich abgewogen werden.
Spezifische Medikamente gegen den Knochenabbau
Antiresorptive Medikamente verlangsamen den bei Osteoporose verstärkten Knochenabbau und verbessern die Mineralisierung. Dadurch bleibt mehr Knochensubstanz erhalten, die Knochen werden stabiler und das Risiko für Knochenbrüche sinkt. Dazu gehören Bisphosphonate, RANKL-Antikörper, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren und in bestimmten Situationen Hormonersatztherapien. Je nach Medikament erfolgt die Verabreichung oral als Tablette, intravenös als Injektion oder Infusion oder als Spritze unter die Haut.
Medikamente zum Knochenaufbau
Osteoanabole Medikamente fördern den Aufbau neuer Knochensubstanz. Sie sind für Patientinnen und Patienten mit sehr hohem Frakturrisiko vorgesehen, zum Beispiel nach einer kürzlich erlittenen Fragilitätsfraktur, bei mehreren osteoporotischen Frakturen oder bei sehr niedriger Knochendichte. Teriparatid wird in der Regel täglich über 24 Monate gespritzt. Romosozumab wird monatlich über 12 Monate verabreicht und wirkt zugleich knochenaufbauend und knochenabbauhemmend. Danach ist eine antiresorptive Anschlusstherapie nötig, damit der neue Knochen erhalten bleibt.
Wirkstoffe und Verabreichung
In der Patientenleitlinie werden Wirkstoffe und Handelsnamen als Orientierung genannt: Alendronsäure und Risedronsäure oral, Ibandronsäure oral oder intravenös, Zoledronsäure intravenös, Raloxifen oral, Denosumab als subkutane Spritze alle 6 Monate, Teriparatid als tägliche subkutane Therapie und Romosozumab als monatliche subkutane Therapie. Bei Denosumab nennt das Dokument Prolia sowie Biosimilars wie Conexxence, Izamby, Jubbonti, Junod, Kefdensis, Osvyrti, Ponlimsi und Zadenvi. Bei Teriparatid werden Forsteo und Biosimilars wie Movymia, Sondelbay, Teriparatid Ratiopharm und Terrosa genannt. Ein Wirkstoff kann unter verschiedenen Handelsnamen angeboten werden; die konkrete Auswahl und Verfügbarkeit müssen ärztlich und aktuell geprüft werden.
Medikamentenliste ansehen
Medikamente im Überblick| Wirkstoff | Beispiel / Handelsname | Dosierung | Verabreichung |
|---|
| Alendronsäure | Originalpräparat und Generika | ärztlich festzulegen | oral |
| Risedronsäure | Originalpräparat und Generika | ärztlich festzulegen | oral |
| Ibandronsäure | Osteoviva / Generika | 150 mg 1-mal pro Monat | oral |
| Ibandronsäure | Bonviva / Generika | 3 mg alle 3 Monate | intravenös |
| Zoledronsäure | Aclasta / Zoledronsäure-Generika | 5 mg 1-mal pro Jahr | intravenös |
| Raloxifen | Evista / Generika | 60 mg 1-mal täglich | oral |
| Denosumab | Prolia / Biosimilars | 60 mg alle 6 Monate | subkutan |
| Teriparatid | Forsteo / Biosimilars | 20 mcg 1-mal täglich | subkutan |
| Romosozumab | Evenity | 2 x 105 mg pro Monat | subkutan |
Handelsnamen und Verfügbarkeit können sich ändern. Die konkrete Auswahl erfolgt gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Vergleich der Therapieformen
Antiresorptive und osteoanabole Therapien verfolgen dasselbe Ziel: Sie sollen das Risiko für Knochenbrüche senken und Lebensqualität langfristig erhalten. Der Unterschied liegt vor allem darin, ob vorhandene Knochensubstanz erhalten oder neuer Knochenaufbau gefördert wird.
Zwei Therapieformen im Vergleich| Aspekt | Antiresorptive Therapie | Osteoanabole Therapie |
|---|
| Wirkung | Bremst den Knochenabbau. | Fördert den Knochenaufbau. |
| Einsatz | Bei hohem Frakturrisiko und als Anschlusstherapie nach anaboler Therapie. | Bei sehr hohem Frakturrisiko. |
| Beispiele | Bisphosphonate, Denosumab, Raloxifen. | Teriparatid, Abaloparatid, Romosozumab. |
| Hauptwirkung | Erhält vorhandene Knochensubstanz. | Fördert die Bildung neuer Knochensubstanz. |
Was sind Biosimilars?
Biosimilars sind Nachfolgepräparate biologischer Arzneimittel, die einem bereits zugelassenen Originalpräparat sehr ähnlich sind. Sie werden nach strengen gesetzlichen Vorgaben geprüft und müssen hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit mit dem Referenzpräparat vergleichbar sein. Weil biologische Arzneimittel in lebenden Zellen produziert werden, sind Biosimilars dem Original hochähnlich, aber nie exakt identisch. Generika dagegen sind Nachahmerprodukte chemischer Arzneimittel mit einfacher, genau bekannter Molekülstruktur.
Wie lange muss die medikamentöse Therapie erfolgen?
Osteoporose ist eine chronische Erkrankung und braucht meist langfristige Betreuung. Das bedeutet aber nicht, dass Sie lebenslang dasselbe Medikament oder durchgehend eine medikamentöse Therapie brauchen. Die Behandlung wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Medikamente können gezielt nacheinander eingesetzt werden. Dieses geplante Wechseln nennt man Sequenztherapie.
Denosumab sicher beenden
Setzen Sie Osteoporose-Medikamente niemals eigenständig ab. Eine Behandlung mit Denosumab darf nicht ohne geplante Anschlussbehandlung beendet werden, weil sonst ein Rebound-Effekt auftreten kann. Im Gegensatz zu Bisphosphonaten stoppt die Wirkung nach etwa 6 Monaten; danach kann der Knochenabbau rasch wieder zunehmen und das Risiko für Wirbelkörperbrüche steigen. Zur Vermeidung ist eine geeignete antiresorptive Anschlussbehandlung, insbesondere mit potenten Bisphosphonaten, erforderlich.
Potentielle Nebenwirkungen der Therapie
Schwere Nebenwirkungen von Osteoporosemedikamenten sind sehr selten. Bei gezieltem, risikoadaptiertem Einsatz überwiegt der Nutzen einer wirksamen Behandlung bei den meisten Patientinnen und Patienten deutlich. Zu den sehr seltenen, aber wichtigen Nebenwirkungen zählen die medikamentenassoziierte Kiefernekrose und atypische Oberschenkelfrakturen. Regelmäßige ärztliche und zahnärztliche Kontrollen helfen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu verringern.
Risiken einordnen
Häufigeres RisikoUnbehandelte OsteoporoseKnochenbrüche können Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Seltenes RisikoSchwere Nebenwirkungensind selten und werden durch Kontrollen, Zahngesundheit und gute Planung zusätzlich eingeordnet.
Konkrete Zahlen sollten vor Veröffentlichung fachlich final freigegeben werden.
Häufigere, meist vorübergehende Nebenwirkungen
Bei oralen Bisphosphonaten können Beschwerden im Magen oder an der Speiseröhre auftreten. Intravenöse Bisphosphonate können kurzfristig grippeähnliche Beschwerden, Muskel- oder Knochenschmerzen und Fieber auslösen. Diese Reaktion kann gut behandelt werden und klingt meist innerhalb weniger Tage ab. Bei knochenaufbauenden Medikamenten können Knochen- und Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe auftreten. Bei Teriparatid wird der Kalziumspiegel kontrolliert. Bei Romosozumab ist vor Beginn eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig, besonders nach Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Kiefernekrose und Zahngesundheit
Die medikamentenassoziierte Kiefernekrose, MRONJ, ist eine sehr seltene Nebenwirkung unter antiresorptiver Therapie, insbesondere mit Bisphosphonaten oder Denosumab. Das Risiko ist bei Menschen, die wegen Osteoporose behandelt werden, gering. Es kann nach größeren zahnärztlichen Eingriffen, bei Entzündungen im Mundraum oder schlechter Mundgesundheit erhöht sein. Vor Beginn einer antiresorptiven Behandlung empfiehlt die ÖGKM eine zahnärztliche Untersuchung. Während der Behandlung sind sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wichtig.
Atypische Oberschenkelfrakturen
Atypische Oberschenkelfrakturen sind ebenfalls sehr seltene Nebenwirkungen einer länger dauernden antiresorptiven Behandlung. Sie können sich Wochen oder Monate vor einem möglichen Bruch durch anhaltende Schmerzen im Oberschenkel oder in der Leiste bemerkbar machen. Treten solche Beschwerden neu auf oder halten sie länger an, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.
Verlaufskontrollen und Nachsorge
Regelmäßige Verlaufskontrollen sind Teil der Behandlung. Sie helfen, Behandlungserfolg, neue Beschwerden, Stürze, mögliche Nebenwirkungen und Veränderungen des Frakturrisikos rechtzeitig zu erkennen. Art und Häufigkeit der Kontrollen richten sich nach Ihrer persönlichen Situation und Ihrer Behandlung.
Warum sind Verlaufskontrollen wichtig?
Im Laufe der Zeit können sich Ihr Gesundheitszustand, Ihr Frakturrisiko oder Ihre Behandlung ändern. Regelmäßige Nachsorge hilft, rechtzeitig zu erkennen, ob die Therapie weiterhin passt oder angepasst werden sollte.
Wann sollte ich mich früher melden?
Holen Sie rasch ärztlichen Rat ein, wenn plötzlich starke Rückenschmerzen auftreten, wenn Sie gestürzt sind, wenn der Verdacht auf einen neuen Knochenbruch besteht oder wenn ungewöhnliche Beschwerden oder Unverträglichkeiten unter Medikamenten auftreten.