Patientenleitlinien Osteoporose

Starke Knochen. Sicher durchs Leben.

Interaktive Patientenleitlinien, die Diagnose, Frakturrisiko, Behandlung und Alltagshilfen in verständliche Schritte übersetzt.

Illustration einer aktiven Person mit Knochenmotiv, Bewegung, Ernährung und medizinischer Begleitung

Einleitung

Für wen sind diese Leitlinien gedacht?

Diese Patientenleitlinien richten sich an Menschen mit Osteoporose, an Personen mit erhöhtem Risiko für Knochenbrüche sowie an Angehörige, die sich verständlich informieren möchten. Sie sind maßgeblich aus einer Initiative der Patientenselbsthilfegruppe entstanden. Viele Fragen von Betroffenen aus der Selbsthilfegruppe sind in die Inhalte eingeflossen.

Herausgeber ist die ÖGKM, die Österreichische Gesellschaft für Knochen- und Mineralstoffwechsel. Die Inhalte beruhen auf der ÖGKM-Leitlinie und übersetzen wichtige Empfehlungen in Alltagssprache. Sie können die Kapitel lesen, sich die Hörfassung anhören oder beides miteinander kombinieren.

Die Patientenleitlinien ersetzen keine persönliche ärztliche Beratung. Sie sollen helfen, die eigene Situation besser einzuordnen, Fragen vorzubereiten und gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt passende Schritte zu besprechen.

Hörfassung

Themen

Was möchten Sie wissen?

Orientierung

Das Wichtigste auf einen Blick

Osteoporose kann erkannt und behandelt werden. Wer sein persönliches Risiko kennt, kann gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt passende Schritte planen und die eigene Selbstständigkeit schützen.

Kapitel 1

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine Erkrankung des gesamten Skeletts. Die Knochen verlieren an Masse und innerer Stabilität. Dadurch können Knochenbrüche leichter entstehen, oft ohne dass die Erkrankung vorher Beschwerden verursacht.

Zwei Knochen im Vergleich: stabile und porösere Knochenstruktur
Das Wichtigste
  • Osteoporose ist keine normale Alterserscheinung.
  • Die Erkrankung entwickelt sich meist langsam und bleibt häufig lange unbemerkt.
  • Eine frühe Diagnose ermöglicht rechtzeitige Behandlung und bessere Planung.

Hörfassung

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine Erkrankung des gesamten Skeletts. Dabei nehmen Knochenmasse und Stabilität der feinen Knochenstruktur ab. Die Knochen werden brüchiger und das Risiko für Knochenbrüche steigt. Häufig bleibt die Erkrankung lange unbemerkt, weil vor dem ersten osteoporosebedingten Knochenbruch meist keine typischen Beschwerden bestehen.

Wie entsteht Osteoporose?

Die höchste Knochenmasse, die sogenannte Peak Bone Mass, erreicht ein Mensch im jungen Erwachsenenalter, etwa um das 30. Lebensjahr. Sie ist eine wichtige Reserve für spätere Lebensphasen. Mit zunehmendem Alter nimmt Knochenmasse natürlich ab, bei Frauen besonders beschleunigt in der Menopause. Osteoporose ist dennoch keine typische Alterserscheinung: Lebensstilfaktoren und Risikofaktoren können den Knochenabbau zusätzlich beschleunigen.

Was passiert im Knochen?

Unsere Knochen werden ständig erneuert. Im gesunden Knochen stehen Knochenaufbau und Knochenabbau im Gleichgewicht. Bei einer Osteoporose wird mehr Knochen abgebaut als neu aufgebaut. Die Stabilität eines Knochens entsteht nicht allein durch seine Menge, sondern durch das Zusammenspiel von Knochenmasse, innerer Struktur und Materialqualität. Ein Knochen kann trotz ähnlicher Knochendichte unterschiedlich belastbar sein.

Wer kann betroffen sein?

Frauen und Männer können an Osteoporose erkranken. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Besonders häufig tritt sie bei Frauen nach den Wechseljahren und bei älteren Menschen auf, doch auch jüngere Personen können bei bestimmten Risikofaktoren betroffen sein.

Welche Folgen kann Osteoporose haben?

Osteoporose macht Knochen brüchiger, sodass sie schon bei kleinen Stürzen oder alltäglichen Belastungen brechen können. Häufig betroffen sind Wirbelsäule, Hüfte, Becken, Oberarm und Handgelenk. Knochenbrüche verursachen Schmerzen, können einen Rundrücken bei Wirbelkörperfrakturen, weniger Beweglichkeit und den Verlust von Selbstständigkeit zur Folge haben. Nach einem Knochenbruch steigt zudem das Risiko für weitere Brüche deutlich an.

Leitlinienempfehlung

Das individuelle Frakturrisiko sollte frühzeitig beurteilt werden. Dabei werden klinische Risikofaktoren, bereits erlittene Knochenbrüche und die Knochendichte gemeinsam berücksichtigt. Ärztlicher Rat ist besonders wichtig, wenn nach einem leichten Sturz oder geringer Belastung ein Knochenbruch aufgetreten ist oder Risikofaktoren für Osteoporose bestehen.

Praktischer Alltagstipp

Bleiben Sie regelmäßig in Bewegung, achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, vermeiden Sie Rauchen und beugen Sie Stürzen vor. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie nach einem leichten Sturz oder geringer Belastung einen Knochenbruch erlitten haben oder Risikofaktoren für Osteoporose aufweisen.

Das sollten Sie sich merken
  • Osteoporose geht mit einer höheren Knochenbrüchigkeit einher.
  • Die Erkrankung verläuft häufig stumm bis zum ersten Knochenbruch.
  • Das Ziel ist, Knochenbrüche zu verhindern.
  • Nach dem ersten Knochenbruch steigt das Risiko für weitere Brüche deutlich an.
  • Das individuelle Frakturrisiko entscheidet über die weitere Behandlung.
Häufige Fragen

Ist Osteoporose eine normale Alterserscheinung?

Nein. Osteoporose ist eine Erkrankung, die erkannt und behandelt werden kann.

Tut Osteoporose weh?

Die Erkrankung selbst verursacht oft keine Schmerzen. Beschwerden treten häufig erst bei Knochenbrüchen auf.

Betrifft Osteoporose nur Frauen?

Nein. Frauen sind häufiger betroffen, aber auch Männer können Osteoporose entwickeln.

Kapitel 2

Wie wird Osteoporose festgestellt und das Frakturrisiko beurteilt?

Für die Einschätzung zählt die gesamte persönliche Situation. Ärztinnen und Ärzte betrachten Knochendichte, Alter, frühere Frakturen, Sturzrisiko, Begleiterkrankungen, Medikamente und weitere Risikofaktoren gemeinsam.

Person bei einer Knochendichtemessung mit medizinischer Auswertung
Das Wichtigste
  • Die Diagnose beruht nicht auf einer einzelnen Untersuchung.
  • Die Knochendichte allein entscheidet nicht über die weitere Behandlung.
  • Entscheidend ist die Gesamtbeurteilung des persönlichen Frakturrisikos.

Hörfassung

Individuelles Risiko

Zur persönlichen Einschätzung gehören mehrere Bausteine: Ihre Risikofaktoren, frühere Knochenbrüche, Ihre Knochendichte und weitere Untersuchungsergebnisse. Erst daraus entsteht ein vollständiges Bild.

Wodurch wird mein Risiko für Knochenbrüche erhöht?

Das persönliche Risiko hängt nicht nur von der Knochendichte ab. Dazu gehören unter anderem Lebensalter, Knochenbrüche nach geringer Belastung, Osteoporose in der Familie, besonders ein Schenkelhalsbruch der Eltern, Untergewicht, bestimmte Erkrankungen, langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Kortison oder Antihormontherapie, Rauchen, viel Alkohol und häufige Stürze.

Was umfasst das ärztliche Gespräch?

Am Beginn der Diagnostik steht ein ausführliches Gespräch. Dabei werden persönliche Risikofaktoren ebenso erhoben wie Lebensstilfaktoren inklusive Ernährung und Bewegung. Ein Größenverlust oder Veränderungen der Körperhaltung können indirekte Hinweise auf bereits bestehende Wirbelkörperbrüche geben. Reduzierte Muskelkraft, Gangunsicherheit und Sturzneigung gehen ebenfalls mit einem erhöhten Frakturrisiko einher.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden unter anderem Körpergröße, Körperhaltung, Beweglichkeit, Muskelkraft und Gleichgewicht beurteilt. Ein Größenverlust oder Veränderungen der Körperhaltung können indirekte Hinweise auf bereits bestehende Wirbelkörperbrüche geben. Reduzierte Muskelkraft, Gangunsicherheit und Sturzneigung gehen ebenfalls mit einem erhöhten Frakturrisiko einher.

Wie hoch ist mein persönliches Frakturrisiko?

In Österreich wird dafür das FRAX®-Modell verwendet. Es berücksichtigt mehrere persönliche Risikofaktoren und schätzt das Risiko für osteoporotische Knochenbrüche in den nächsten 10 Jahren. Liegt das Risiko über einer festgelegten Schwelle, wird eine DXA-Knochendichtemessung empfohlen. Danach wird das Risiko weiter eingeordnet, zum Beispiel als niedrig, hoch oder sehr hoch.

So entsteht die Gesamtbeurteilung

Ärztliches GesprächSchritt 1
Persönliche RisikofaktorenSchritt 2
FRAX®Schritt 3
DXA-MessungSchritt 4
GesamtbeurteilungSchritt 5
Individuelle BehandlungSchritt 6

Die Knochendichtemessung mittels DXA-Methode

Die DXA-Messung ist die Standarduntersuchung zur Messung der Knochendichte. Sie ist ein wichtiger Baustein der Diagnose, entscheidet aber nicht allein über die Behandlung.

Wie wird die Knochendichte gemessen?

Die DXA-Messung, Dual-Energy X-ray Absorptiometry, ist die Standardmethode zur Bestimmung der Knochendichte. Es handelt sich um eine spezielle Röntgenuntersuchung mit sehr geringer Strahlenbelastung. Sie ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und wird meist an der Lendenwirbelsäule und zumindest einer Hüfte durchgeführt.

Welche Informationen liefert die DXA-Messung?

Die DXA-Messung zeigt, wie hoch die Knochendichte ist. Der T-Wert vergleicht Ihre Knochendichte mit der Knochendichte junger Erwachsener. Eine Osteopenie liegt vor, wenn der T-Wert unter -1 liegt, eine Osteoporose ab -2,5. Der TBS®, Trabecular Bone Score, kann als Zusatzwert Hinweise auf die innere Knochenstruktur geben.

Grenzen der Knochendichtemessung

Die Knochendichte allein entscheidet nicht über Diagnose oder Behandlung. Degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule können Werte zum Beispiel falsch hoch erscheinen lassen. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen densitometrischer und klinischer Diagnose: Treten Frakturen ohne entsprechendes Trauma auf, kann trotz Knochendichte im Bereich einer Osteopenie eine manifeste Osteoporose vorliegen, sofern andere Ursachen ausgeschlossen wurden.

Warum mehrere Untersuchungen notwendig sind

Osteoporose entwickelt sich häufig über viele Jahre, ohne Beschwerden zu verursachen. Deshalb reicht eine einzelne Untersuchung meist nicht aus. Ärztinnen und Ärzte führen verschiedene Informationen zusammen: Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, persönliche Risikofaktoren, DXA-Messung und, wenn erforderlich, weitere Untersuchungen. Erst diese Gesamtbeurteilung bildet die Grundlage für eine individuell abgestimmte Behandlung.

Weitere Untersuchungen, Verlaufsmessungen und Überprüfung des Frakturrisikos

Je nach Situation können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Dazu gehören vor allem Blutuntersuchungen und manchmal Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule.

Welche weiteren Untersuchungen sind nötig?

Blutuntersuchungen helfen, mögliche Ursachen oder Begleiterkrankungen abzuklären. In bestimmten Fällen können auch Röntgenaufnahmen sinnvoll sein, weil sie bereits vorhandene, oft unbemerkte Wirbelkörperbrüche sichtbar machen können. Welche Untersuchungen nötig sind, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt individuell.

Basislabor laut Leitlinie
WertWozu?
Kalzium, Phosphat, AlbuminEinordnung des Mineralstoffwechsels.
Alkalische Phosphatase, GGTHinweise auf Knochen- und Leberstoffwechsel.
GFREinschätzung der Nierenfunktion.
Blutbild, BSG oder CRP, Serum-EiweißelektrophoreseHinweise auf Entzündung oder andere Erkrankungen.
25-Hydroxy-Vitamin D, TSHVitamin-D-Versorgung und Schilddrüsenfunktion.
Knochenumbaumarker, zum Beispiel Beta-CrosslapsBei Bedarf zur Verlaufseinschätzung.

Wie häufig sind Verlaufsuntersuchungen erforderlich?

Verlaufsmessungen und eine erneute Einschätzung des Frakturrisikos sind besonders unter einer Osteoporosebehandlung wichtig: üblicherweise nach dem ersten Jahr und danach etwa alle 2 bis 3 Jahre. Eine frühere Kontrolle ist sinnvoll, wenn ein neuer Knochenbruch, deutlicher Größenverlust, neue Risikofaktoren, Nebenwirkungen oder Probleme bei der regelmäßigen Medikamenteneinnahme auftreten.

Begriffe kurz erklärt

DXA ist eine spezielle Röntgenuntersuchung zur Bestimmung der Knochendichte. TBS ist ein Zusatzwert aus der DXA-Messung, der Hinweise auf die innere Knochenstruktur gibt. FRAX ist ein wissenschaftlich entwickeltes Berechnungsmodell zur Abschätzung des persönlichen Risikos für osteoporotische Knochenbrüche. Eine Fragilitätsfraktur ist ein Knochenbruch nach geringer Belastung oder einem Sturz aus dem Stand. Sekundäre Osteoporose bezeichnet eine Form, die durch andere Erkrankungen oder bestimmte Medikamente verursacht wird.

Praktischer Alltagstipp

Bringen Sie zum Arzttermin möglichst alle wichtigen Vorbefunde mit, insbesondere frühere DEXA-Befunde, Laborwerte, Röntgenaufnahmen, Arztbriefe und eine Medikamentenliste.

Das sollten Sie sich merken
  • Nicht eine einzelne Untersuchung entscheidet über Ihre Behandlung.
  • Die Diagnose beruht auf der Gesamtbeurteilung des individuellen Risikos und ergänzender Untersuchungen.
  • Die Knochendichtemessung ist ein Teil der Diagnostik, aber nicht die einzige Grundlage.
  • Die Behandlungsempfehlung basiert auf dem individuellen Frakturrisiko.
Häufige Fragen

Muss bei jeder Person eine DXA-Messung durchgeführt werden?

Nein. Die Entscheidung richtet sich nach der persönlichen Situation und den Leitlinien.

Ist die DXA-Messung schmerzhaft?

Nein. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.

Kann trotz normaler Knochendichte ein Bruch auftreten?

Ja. Auch andere Risikofaktoren können das Frakturrisiko erhöhen.

Kapitel 3

Behandlung nach individuellem Frakturrisiko

Die Behandlung verfolgt ein klares Ziel: Knochenbrüche vermeiden und Lebensqualität erhalten. Je nach Risiko werden Lebensstil, Training, Ernährung, Sturzprävention und Medikamente kombiniert.

Geschützter Knochen mit Medikamenten als Symbol für Behandlung
Das Wichtigste
  • Antiresorptive Medikamente bremsen den Knochenabbau.
  • Osteoanabole Medikamente fördern den Knochenaufbau.
  • Therapieentscheidungen sollten gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Hörfassung

Lifestyle-Modifikation und Prävention

Bewegung, Muskeltraining, Sturzprävention und ein gesunder Lebensstil gehören zu jeder Osteoporose-Behandlung. Diese Maßnahmen ergänzen Medikamente, wenn eine medikamentöse Therapie empfohlen wird.

Vermeidbare Risikofaktoren reduzieren

Einige Risikofaktoren können Sie selbst beeinflussen: nicht rauchen, Alkohol begrenzen und Untergewicht vermeiden. Rauchen und hoher Alkoholkonsum erhöhen das Risiko für Knochenbrüche. Ein niedriger Body-Mass-Index erhöht besonders das Risiko für hüftnahe Frakturen.

Sturzprävention und Muskelaufbautraining

Stürze sind eine häufige Ursache osteoporotischer Knochenbrüche. Gleichgewicht, Muskelkraft und ein möglichst sicheres Umfeld sind deshalb wichtige Schutzfaktoren. Regelmäßiges Krafttraining stärkt die Muskulatur, setzt Reize für den Knochen und hilft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit zu erhalten.

Hormontherapie

Bei der Hormontherapie unterscheidet man zwischen menopausaler Hormontherapie, MHT, und Hormonersatztherapie, HRT, bei jüngeren Frauen. Bei Frauen in und nach der Menopause kann eine MHT den Knochenabbau bremsen und das Risiko für Knochenbrüche senken. Bei jüngeren Frauen mit vorzeitigem Verlust der Eierstockfunktion kann eine HRT zum Schutz der Knochengesundheit wichtig sein. Nutzen, Dauer und mögliche Risiken müssen immer individuell ärztlich abgewogen werden.

Spezifische Medikamente gegen den Knochenabbau

Antiresorptive Medikamente verlangsamen den bei Osteoporose verstärkten Knochenabbau und verbessern die Mineralisierung. Dadurch bleibt mehr Knochensubstanz erhalten, die Knochen werden stabiler und das Risiko für Knochenbrüche sinkt. Dazu gehören Bisphosphonate, RANKL-Antikörper, selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren und in bestimmten Situationen Hormonersatztherapien. Je nach Medikament erfolgt die Verabreichung oral als Tablette, intravenös als Injektion oder Infusion oder als Spritze unter die Haut.

Medikamente zum Knochenaufbau

Osteoanabole Medikamente fördern den Aufbau neuer Knochensubstanz. Sie sind für Patientinnen und Patienten mit sehr hohem Frakturrisiko vorgesehen, zum Beispiel nach einer kürzlich erlittenen Fragilitätsfraktur, bei mehreren osteoporotischen Frakturen oder bei sehr niedriger Knochendichte. Teriparatid wird in der Regel täglich über 24 Monate gespritzt. Romosozumab wird monatlich über 12 Monate verabreicht und wirkt zugleich knochenaufbauend und knochenabbauhemmend. Danach ist eine antiresorptive Anschlusstherapie nötig, damit der neue Knochen erhalten bleibt.

Wirkstoffe und Verabreichung

In der Patientenleitlinie werden Wirkstoffe und Handelsnamen als Orientierung genannt: Alendronsäure und Risedronsäure oral, Ibandronsäure oral oder intravenös, Zoledronsäure intravenös, Raloxifen oral, Denosumab als subkutane Spritze alle 6 Monate, Teriparatid als tägliche subkutane Therapie und Romosozumab als monatliche subkutane Therapie. Bei Denosumab nennt das Dokument Prolia sowie Biosimilars wie Conexxence, Izamby, Jubbonti, Junod, Kefdensis, Osvyrti, Ponlimsi und Zadenvi. Bei Teriparatid werden Forsteo und Biosimilars wie Movymia, Sondelbay, Teriparatid Ratiopharm und Terrosa genannt. Ein Wirkstoff kann unter verschiedenen Handelsnamen angeboten werden; die konkrete Auswahl und Verfügbarkeit müssen ärztlich und aktuell geprüft werden.

Medikamentenliste ansehen
Medikamente im Überblick
WirkstoffBeispiel / HandelsnameDosierungVerabreichung
AlendronsäureOriginalpräparat und Generikaärztlich festzulegenoral
RisedronsäureOriginalpräparat und Generikaärztlich festzulegenoral
IbandronsäureOsteoviva / Generika150 mg 1-mal pro Monatoral
IbandronsäureBonviva / Generika3 mg alle 3 Monateintravenös
ZoledronsäureAclasta / Zoledronsäure-Generika5 mg 1-mal pro Jahrintravenös
RaloxifenEvista / Generika60 mg 1-mal täglichoral
DenosumabProlia / Biosimilars60 mg alle 6 Monatesubkutan
TeriparatidForsteo / Biosimilars20 mcg 1-mal täglichsubkutan
RomosozumabEvenity2 x 105 mg pro Monatsubkutan

Handelsnamen und Verfügbarkeit können sich ändern. Die konkrete Auswahl erfolgt gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Vergleich der Therapieformen

Antiresorptive und osteoanabole Therapien verfolgen dasselbe Ziel: Sie sollen das Risiko für Knochenbrüche senken und Lebensqualität langfristig erhalten. Der Unterschied liegt vor allem darin, ob vorhandene Knochensubstanz erhalten oder neuer Knochenaufbau gefördert wird.

Zwei Therapieformen im Vergleich
AspektAntiresorptive TherapieOsteoanabole Therapie
WirkungBremst den Knochenabbau.Fördert den Knochenaufbau.
EinsatzBei hohem Frakturrisiko und als Anschlusstherapie nach anaboler Therapie.Bei sehr hohem Frakturrisiko.
BeispieleBisphosphonate, Denosumab, Raloxifen.Teriparatid, Abaloparatid, Romosozumab.
HauptwirkungErhält vorhandene Knochensubstanz.Fördert die Bildung neuer Knochensubstanz.

Was sind Biosimilars?

Biosimilars sind Nachfolgepräparate biologischer Arzneimittel, die einem bereits zugelassenen Originalpräparat sehr ähnlich sind. Sie werden nach strengen gesetzlichen Vorgaben geprüft und müssen hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit mit dem Referenzpräparat vergleichbar sein. Weil biologische Arzneimittel in lebenden Zellen produziert werden, sind Biosimilars dem Original hochähnlich, aber nie exakt identisch. Generika dagegen sind Nachahmerprodukte chemischer Arzneimittel mit einfacher, genau bekannter Molekülstruktur.

Wie lange muss die medikamentöse Therapie erfolgen?

Osteoporose ist eine chronische Erkrankung und braucht meist langfristige Betreuung. Das bedeutet aber nicht, dass Sie lebenslang dasselbe Medikament oder durchgehend eine medikamentöse Therapie brauchen. Die Behandlung wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst. Medikamente können gezielt nacheinander eingesetzt werden. Dieses geplante Wechseln nennt man Sequenztherapie.

Denosumab sicher beenden

Setzen Sie Osteoporose-Medikamente niemals eigenständig ab. Eine Behandlung mit Denosumab darf nicht ohne geplante Anschlussbehandlung beendet werden, weil sonst ein Rebound-Effekt auftreten kann. Im Gegensatz zu Bisphosphonaten stoppt die Wirkung nach etwa 6 Monaten; danach kann der Knochenabbau rasch wieder zunehmen und das Risiko für Wirbelkörperbrüche steigen. Zur Vermeidung ist eine geeignete antiresorptive Anschlussbehandlung, insbesondere mit potenten Bisphosphonaten, erforderlich.

Potentielle Nebenwirkungen der Therapie

Schwere Nebenwirkungen von Osteoporosemedikamenten sind sehr selten. Bei gezieltem, risikoadaptiertem Einsatz überwiegt der Nutzen einer wirksamen Behandlung bei den meisten Patientinnen und Patienten deutlich. Zu den sehr seltenen, aber wichtigen Nebenwirkungen zählen die medikamentenassoziierte Kiefernekrose und atypische Oberschenkelfrakturen. Regelmäßige ärztliche und zahnärztliche Kontrollen helfen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu verringern.

Risiken einordnen

Häufigeres RisikoUnbehandelte OsteoporoseKnochenbrüche können Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Seltenes RisikoSchwere Nebenwirkungensind selten und werden durch Kontrollen, Zahngesundheit und gute Planung zusätzlich eingeordnet.

Konkrete Zahlen sollten vor Veröffentlichung fachlich final freigegeben werden.

Häufigere, meist vorübergehende Nebenwirkungen

Bei oralen Bisphosphonaten können Beschwerden im Magen oder an der Speiseröhre auftreten. Intravenöse Bisphosphonate können kurzfristig grippeähnliche Beschwerden, Muskel- oder Knochenschmerzen und Fieber auslösen. Diese Reaktion kann gut behandelt werden und klingt meist innerhalb weniger Tage ab. Bei knochenaufbauenden Medikamenten können Knochen- und Muskelschmerzen oder Muskelkrämpfe auftreten. Bei Teriparatid wird der Kalziumspiegel kontrolliert. Bei Romosozumab ist vor Beginn eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig, besonders nach Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Kiefernekrose und Zahngesundheit

Die medikamentenassoziierte Kiefernekrose, MRONJ, ist eine sehr seltene Nebenwirkung unter antiresorptiver Therapie, insbesondere mit Bisphosphonaten oder Denosumab. Das Risiko ist bei Menschen, die wegen Osteoporose behandelt werden, gering. Es kann nach größeren zahnärztlichen Eingriffen, bei Entzündungen im Mundraum oder schlechter Mundgesundheit erhöht sein. Vor Beginn einer antiresorptiven Behandlung empfiehlt die ÖGKM eine zahnärztliche Untersuchung. Während der Behandlung sind sorgfältige Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wichtig.

Atypische Oberschenkelfrakturen

Atypische Oberschenkelfrakturen sind ebenfalls sehr seltene Nebenwirkungen einer länger dauernden antiresorptiven Behandlung. Sie können sich Wochen oder Monate vor einem möglichen Bruch durch anhaltende Schmerzen im Oberschenkel oder in der Leiste bemerkbar machen. Treten solche Beschwerden neu auf oder halten sie länger an, sollten sie ärztlich abgeklärt werden.

Verlaufskontrollen und Nachsorge

Regelmäßige Verlaufskontrollen sind Teil der Behandlung. Sie helfen, Behandlungserfolg, neue Beschwerden, Stürze, mögliche Nebenwirkungen und Veränderungen des Frakturrisikos rechtzeitig zu erkennen. Art und Häufigkeit der Kontrollen richten sich nach Ihrer persönlichen Situation und Ihrer Behandlung.

Warum sind Verlaufskontrollen wichtig?

Im Laufe der Zeit können sich Ihr Gesundheitszustand, Ihr Frakturrisiko oder Ihre Behandlung ändern. Regelmäßige Nachsorge hilft, rechtzeitig zu erkennen, ob die Therapie weiterhin passt oder angepasst werden sollte.

Wann sollte ich mich früher melden?

Holen Sie rasch ärztlichen Rat ein, wenn plötzlich starke Rückenschmerzen auftreten, wenn Sie gestürzt sind, wenn der Verdacht auf einen neuen Knochenbruch besteht oder wenn ungewöhnliche Beschwerden oder Unverträglichkeiten unter Medikamenten auftreten.

Sicherheitshinweis

Bei neu auftretenden oder anhaltenden Schmerzen im Oberschenkel oder in der Leiste sowie bei größeren zahnärztlichen Eingriffen während antiresorptiver Therapie sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Das sollten Sie sich merken
  • Medikamente sind ein wichtiger Baustein der Osteoporose-Behandlung.
  • Es gibt Medikamente gegen den Knochenabbau und Medikamente zum Knochenaufbau.
  • Welche Therapie geeignet ist, wird individuell gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entschieden.
  • Setzen Sie Osteoporose-Medikamente niemals eigenständig ab.
  • Besonders bei Denosumab muss eine Beendigung sorgfältig geplant werden und eine Anschlusstherapie erfolgen.
  • Auch anabole Therapien erfordern eine antiresorptive Anschlusstherapie.
  • Eine langfristige Betreuung bedeutet nicht, dass Sie lebenslang dasselbe Medikament erhalten.
Häufige Fragen

Ersetzen Bewegung und Krafttraining Medikamente?

Nein. Sie sind unverzichtbare Bausteine, ersetzen aber keine empfohlene medikamentöse Therapie.

Warum bekomme ich nicht dasselbe Medikament wie andere?

Alter, Frakturen, Begleiterkrankungen und Risiko unterscheiden sich. Deshalb wird die Therapie individuell gewählt.

Darf ich Denosumab selbstständig absetzen?

Nein. Eine Beendigung sollte nur nach Rücksprache und mit geplanter Anschlussbehandlung erfolgen.

Kapitel 4

Wie kann Ernährung meine Knochen unterstützen?

Eine knochengesunde Ernährung unterstützt die Behandlung. Besonders wichtig sind Calcium, Vitamin D und Eiweiß. Eine notwendige medikamentöse Therapie ersetzt Ernährung jedoch nicht.

Knochengesunde Ernährung mit Milchprodukten, Gemüse und Vitamin D
Das Wichtigste
  • Calcium möglichst über Lebensmittel aufnehmen: etwa 1000 mg pro Tag.
  • Vitamin D unterstützt die Calciumaufnahme; empfohlen werden 20 µg, also 800 IE pro Tag.
  • Eiweiß ist wichtig für Knochen und Muskeln: ab 65 Jahren etwa 1 g pro kg Körpergewicht pro Tag.
  • Krafttraining und Gleichgewichtstraining ergänzen die knochengesunde Ernährung.

Hörfassung

Keine spezielle Osteoporose-Diät

Es gibt keine spezielle Osteoporose-Diät. Entscheidend ist eine langfristig ausgewogene Ernährung. Die Ernährung ist ein wichtiger Baustein der Behandlung, ersetzt aber keine notwendige medikamentöse Therapie.

Warum spielt Ernährung eine wichtige Rolle?

Knochen benötigen Calcium, Eiweiß, Vitamin D sowie weitere Vitamine und Mineralstoffe. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt den Knochenstoffwechsel und trägt zum Erhalt der Muskulatur bei. Sie ergänzt Krafttraining, Gleichgewichtstraining und, wenn erforderlich, Medikamente. Hochverarbeitete Lebensmittel sollten eher die Ausnahme sein, weil sie oft viele Kalorien, aber wenig Ballaststoffe und Mikronährstoffe liefern.

Leitlinienempfehlung

Die österreichischen Leitlinien empfehlen eine ausreichende Versorgung mit Calcium, Vitamin D und Eiweiß als Bestandteil jeder Osteoporose-Behandlung. Ernährung ist damit ein wichtiger Baustein, ersetzt aber keine notwendige medikamentöse Therapie.

Calcium

Calcium ist der mengenmäßig wichtigste Mineralstoff des Knochens. Wird dauerhaft zu wenig Calcium aufgenommen, greift der Körper auf die Calciumreserven im Knochen zurück. Gute Quellen sind Milchprodukte, grünes Gemüse und calciumreiche Mineralwässer. Wenn der Calciumbedarf von etwa 1000 mg pro Tag über die Ernährung nicht abgedeckt wird, kann eine zusätzliche Substitution mit Calciumpräparaten empfohlen werden.

Vitamin D

Vitamin D unterstützt die Aufnahme von Calcium aus dem Darm. Für Erwachsene werden 20 µg, also 800 IE pro Tag, empfohlen. Ziel ist ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel von mindestens 20 ng/ml beziehungsweise 50 nmol/l. Höhere Spiegel sind aus osteologischer Sicht nicht erforderlich. Ob eine Ergänzung notwendig ist, sollte individuell ärztlich entschieden werden.

Eiweiß

Eiweiß trägt zum Erhalt der Muskulatur bei und ist Bestandteil der Knochenstruktur. Empfohlen wird eine ausreichende Eiweißzufuhr: 0,8 g pro kg Körpergewicht, ab über 65 Jahren zumindest 1 g pro kg Körpergewicht. Bei 70 kg Körpergewicht entspricht das ab 65 Jahren etwa 70 g Protein pro Tag.

Günstige Lebensmittel

Milch und Milchprodukte, Naturjoghurt, Topfen, Käse, Hülsenfrüchte, Fisch, Eier, Gemüse, Obst, Nüsse und Vollkornprodukte passen gut zu einer knochengesunden Ernährung.

Praktischer Alltagstipp

Bevorzugen Sie calciumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, grünes Gemüse und calciumreiche Mineralwässer. Wenn der Calciumbedarf von etwa 1000 mg pro Tag über die Ernährung nicht gedeckt wird, kann bei Osteoporose eine zusätzliche Calcium-Substitution empfohlen werden.

Das sollten Sie sich merken
  • Ernährung ist ein wichtiger Baustein der Behandlung.
  • Calcium, Vitamin D und Eiweiß wirken mit Training und Therapie zusammen.
  • Eine ungezielte Überdosierung von Vitamin D sollte vermieden werden.
  • Eine knochengesunde Ernährung ersetzt keine notwendige medikamentöse Therapie.
Häufige Fragen

Brauche ich Calciumtabletten?

Nicht unbedingt. Wenn der Bedarf über Lebensmittel gedeckt wird, sind zusätzliche Präparate häufig nicht nötig.

Reicht Vitamin D alleine aus?

Nein. Ernährung, Training, Sturzprävention und gegebenenfalls Medikamente ergänzen sich.

Kapitel 5

Wie stärken Krafttraining und Bewegung meine Knochen?

Knochen reagieren auf Belastung. Individuell angepasstes Krafttraining, Gleichgewichtstraining und Haltungstraining stärken Muskulatur, Gleichgewicht und Vertrauen in den eigenen Körper.

Ältere Person beim sicheren Krafttraining mit Fitnessband
Das Wichtigste
  • Krafttraining ist ein zentraler Baustein der Osteoporose-Behandlung.
  • Gleichgewichtstraining, Haltungstraining und alltagsnahe Aktivität ergänzen das Krafttraining.
  • Bewegung hilft, Stürze zu vermeiden und stärkt Muskulatur, Knochen und Gleichgewicht.

Hörfassung

Es ist nie zu spät

Es ist nie zu spät, mit einem geeigneten Trainingsprogramm zu beginnen. Auch ältere Menschen können Muskelkraft, Gleichgewicht und Leistungsfähigkeit verbessern.

Warum ist Krafttraining so wichtig?

Krafttraining ist ein zentraler Baustein der Behandlung einer Osteoporose. Knochen reagieren auf Belastung. Ein individuell angepasstes Krafttraining unterstützt den Knochenstoffwechsel, stärkt die Muskulatur und trägt dazu bei, die Stabilität der Knochen zu erhalten.

Sarkopenie - wenn Muskelkraft und Muskelmasse abnehmen

Mit zunehmendem Alter nehmen Muskelmasse und Muskelkraft ab. Bei starkem Muskelabbau spricht man von Sarkopenie. Sarkopenie und Osteoporose können sich gegenseitig verstärken: Weniger Muskelkraft bedeutet weniger Belastung für den Knochen und ein höheres Risiko für Stürze und Knochenbrüche. Kraft- und Gleichgewichtstraining stärken Muskeln und Knochen und unterstützen zugleich die Knochenbildung.

So unterstützt Training Ihre Knochen

Ein knochengesundes Trainingsprogramm verbindet Krafttraining, Gleichgewichtstraining und Haltungstraining. Ergänzend werden funktionelles Training und regelmäßige körperliche Aktivität empfohlen. Gemeinsam stärken diese Maßnahmen Muskulatur und Knochen, verbessern das Gleichgewicht und helfen, Stürze zu vermeiden.

Drei Säulen von knochengesundem Training

1Krafttraining
2Gleichgewicht
3Gewichtsbelastung
Weniger Stürze und stabilere Knochen

Einfache Funktionstests

Einfache Funktionstests können Hinweise auf Muskelkraft, Mobilität, Gleichgewicht und Koordination geben. Sie ersetzen keine ärztliche oder physiotherapeutische Untersuchung, können aber helfen, die eigene Sicherheit besser einzuordnen.

Funktionstests aus der Leitlinie
TestWas wird geprüft?
Chair-Rising-TestMehrmals von einem Stuhl aufstehen, ohne die Arme zu Hilfe zu nehmen. Prüft vor allem die Kraft der Beine.
Timed-up-and-Go-TestVom Stuhl aufstehen, eine kurze Strecke gehen, umdrehen, zurückgehen und wieder hinsetzen. Prüft Mobilität und funktionelle Sicherheit.
TandemstandEinen Fuß direkt vor den anderen stellen. Gibt Hinweise auf Gleichgewicht und Koordination.
Sicherheit zuerst

Machen Sie diese Tests nur, wenn Sie sich dabei sicher fühlen. Stellen Sie sich so hin, dass Sie sich festhalten können, und lassen Sie sich bei Unsicherheit begleiten. Brechen Sie ab, wenn Schwindel, Schmerzen oder Unsicherheit auftreten.

Leitlinienempfehlung

Die österreichischen Leitlinien empfehlen ein individuell angepasstes Krafttraining als zentralen Bestandteil der Bewegungstherapie. Ergänzend werden Gleichgewichtstraining, Haltungstraining, funktionelles Training und regelmäßige körperliche Aktivität empfohlen.

Welche Bewegungsformen passen?

Besonders empfohlen werden Krafttraining, Gleichgewichtstraining und gewichtsbelastendes Training. Ergänzend können zügiges Gehen, Nordic Walking, Wandern, Gymnastik, Tanzen, Wassergymnastik oder individuell angepasste Heimübungen sinnvoll sein.

Sicher trainieren

Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche sind ein sinnvoller Zielrahmen. Wichtiger als schwere Gewichte sind saubere Technik, regelmäßiges Training und qualifizierte Anleitung. Bei Schmerzen, Unsicherheit, frischen Brüchen oder sehr hohem Risiko sollte das Training fachlich begleitet werden. Ziel ist nicht sportliche Höchstleistung, sondern sichere, regelmäßige Aktivität.

Praktischer Alltagstipp

Zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche sind ein guter Zielrahmen. Schon kleine Fortschritte bei Kraft und Gleichgewicht können im Alltag spürbar sein.

Das sollten Sie sich merken
  • Keine Angst vor Bewegung.
  • Kraft, Gleichgewicht und Haltung gehören zusammen.
  • Bewegung ergänzt Ernährung und, wenn erforderlich, Medikamente.
Häufige Fragen

Darf ich Krafttraining machen?

Ja, angepasst an die persönliche Situation und möglichst mit qualifizierter Anleitung.

Muss ich schwere Gewichte heben?

Nein. Entscheidend sind Technik, Regelmäßigkeit und passende Belastung.

Soll ich trotz Schmerzen trainieren?

Bei starken oder neuen Schmerzen Training unterbrechen und ärztlichen Rat einholen.

Kapitel 6

Wie kann ich Stürze vermeiden und sicher bleiben?

Sturzprävention ist ein aktiver Schutz für Mobilität und Selbstständigkeit. Es geht nicht darum, ängstlich zu werden, sondern Stolperfallen und persönliche Risikofaktoren zu erkennen.

Sicheres Zuhause mit Handlauf, rutschfester Matte und festen Schuhen
Das Wichtigste
  • Sturzprävention ist ein wichtiger Baustein der Osteoporose-Behandlung.
  • Krafttraining, Gleichgewichtstraining und ein sturzsicheres Zuhause senken das Risiko.
  • Regelmäßige Seh- und Hörkontrollen tragen zur Sicherheit im Alltag bei.

Hörfassung

So können Sie Ihr Sturzrisiko verringern

Weniger Stürze entstehen durch mehrere kleine Schutzmaßnahmen zusammen: Krafttraining, Gleichgewichtstraining, ein sicheres Zuhause und regelmäßige Kontrollen von Sehen und Hören.

Weniger Stürze, mehr Sicherheit

Kraft und GleichgewichtStolperfallen entfernenGutes LichtSichere SchuheSehen und Hören prüfen

Warum ist Sturzprävention wichtig?

Bei Osteoporose können bereits leichte Stürze zu Knochenbrüchen führen. Sturzprävention hilft, Selbstständigkeit, Mobilität und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Ziel ist nicht, jeden Sturz sicher zu vermeiden, sondern das persönliche Sturzrisiko zu senken und Sicherheit im Alltag zu verbessern.

Was erhöht das Sturzrisiko?

Die österreichischen Leitlinien empfehlen, das persönliche Sturzrisiko regelmäßig zu beurteilen. Dabei werden unter anderem Muskelkraft, Gleichgewicht, Gangbild, Sehvermögen, Medikamente, Begleiterkrankungen und die Wohnumgebung berücksichtigt. Verminderte Muskelkraft, Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme, Schwindel, ungeeignetes Schuhwerk, Stolperfallen und bestimmte Medikamente können das Sturzrisiko erhöhen.

Zuhause sicherer machen

Lose Teppiche sichern oder entfernen, Kabel aus dem Weg räumen, gute Beleuchtung schaffen, Haltegriffe im Bad prüfen und rutschfeste Hausschuhe nutzen.

Sicher unterwegs

Gut sitzende Schuhe, ausreichend Zeit, bewusstes Gehen und bei Bedarf Gehstock oder Rollator können Sicherheit geben. Hilfsmittel sind kein Zeichen von Schwäche.

Angst vor dem Stürzen

Nach einem Sturz bewegen sich viele Menschen weniger. Dadurch nehmen Muskelkraft und Gleichgewicht weiter ab. Ein angepasstes Trainingsprogramm kann helfen, wieder Vertrauen aufzubauen.

Fünf Schritte zu mehr Sicherheit

Die Merkhilfe der Leitlinie bündelt Sturzprävention in fünf praktische Schritte: Krafttraining, Gleichgewichtstraining, Stolperfallen beseitigen, gutes Schuhwerk und regelmäßige Sehkontrollen.

Praktischer Alltagstipp

Prüfen Sie regelmäßig: Fühle ich mich beim Gehen sicher? Bin ich gestürzt? Habe ich Angst zu stürzen? Brauche ich Hilfe beim Aufstehen?

Das sollten Sie sich merken
  • Sturzprävention ist ein wichtiger Baustein der Osteoporose-Behandlung.
  • Krafttraining, Gleichgewicht und sicheres Verhalten ergänzen sich.
  • Kleine Veränderungen im Alltag können das Sturzrisiko deutlich senken.
Häufige Fragen

Soll ich mich nach einem Sturz schonen?

Nach ärztlicher Abklärung ist häufig eine frühe, sichere Mobilisation sinnvoll.

Ist ein Rollator ein Zeichen von Schwäche?

Nein. Ein passendes Hilfsmittel kann Selbstständigkeit erhalten.

Brauche ich Sturzprävention auch ohne bisherigen Sturz?

Ja. Vorbeugung ist besonders wertvoll, bevor etwas passiert.

Kapitel 7

Leben mit Osteoporose

Eine Osteoporose verändert den Alltag, muss ihn aber nicht bestimmen. Mit Wissen, Behandlung und Unterstützung können viele Menschen aktiv und selbstständig bleiben.

Aktive Person beim Gehen in der Natur
Das Wichtigste
  • Sie können selbst viel zu Ihrer Gesundheit beitragen.
  • Die Bausteine der Behandlung ergänzen sich gegenseitig.
  • Aktivität sollte zur persönlichen Situation passen.

Hörfassung

Was bedeutet die Diagnose für den Alltag?

Eine Osteoporose verändert den Alltag, muss ihn aber nicht bestimmen. Nach der Diagnose stellen sich oft viele Fragen. Mit verständlicher Information, einer guten Behandlung und aktiver Mitarbeit können viele Menschen mit Osteoporose ein aktives und selbstständiges Leben führen.

Die Bausteine der Behandlung im Alltag

Die österreichischen Leitlinien empfehlen eine langfristige Behandlung, die aus mehreren aufeinander abgestimmten Bausteinen besteht. Dazu gehören Bewegung, Ernährung, Medikamente, wenn erforderlich, Sturzprävention und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Diese Maßnahmen ergänzen sich gegenseitig.

Aktiv bleiben, aber sicher

Eine Osteoporose bedeutet nicht, dass Sie sich schonen oder auf alles verzichten müssen. Wählen Sie Aktivitäten, die Freude bereiten und zu Ihrer persönlichen Situation passen. Ein individuell angepasstes Krafttraining bleibt ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Wer aktiv bleibt, stärkt Knochen, Muskeln, Gleichgewicht und Selbstvertrauen.

Mit Zuversicht in die Zukunft

Viele Menschen leben über viele Jahre gut mit Osteoporose. Eine frühzeitige Diagnose, konsequente Behandlung und ein gesunder Lebensstil können dazu beitragen, Knochenbrüche zu vermeiden und Selbstständigkeit zu erhalten. Viele Betroffene berichten, dass sie mit zunehmendem Wissen und etwas Übung wieder Vertrauen in ihren Körper gewinnen.

Unterstützung finden

Ärztin oder Arzt, Physiotherapie, Ergotherapie, Selbsthilfegruppen sowie Angehörige und Freunde können helfen, Fragen zu klären und dranzubleiben.

Unterstützung finden

Ich bin nicht allein
Ärztin oder ArztPhysiotherapieErgotherapieSelbsthilfegruppeAngehörige und Freunde
Praktischer Alltagstipp

Setzen Sie sich kleine, erreichbare Ziele. Jeder Schritt zählt. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Höchstleistung.

Das sollten Sie sich merken
  • Osteoporose muss Ihr Leben nicht bestimmen.
  • Sie können selbst viel zu Ihrer Gesundheit beitragen.
  • Die einzelnen Bausteine der Behandlung ergänzen sich.
  • Bleiben Sie aktiv, angepasst an Ihre persönlichen Möglichkeiten.
  • Suchen Sie Unterstützung, wenn Sie Fragen oder Unsicherheiten haben.
Häufige Fragen

Muss ich auf Reisen verzichten?

Meist nein. Mit guter Vorbereitung können viele Reisen weiterhin möglich sein.

Darf ich meinen Hobbys nachgehen?

In vielen Fällen ja. Geeignete Aktivitäten sollten individuell besprochen werden.

Ist Osteoporose ein Grund, sich zu schonen?

Nein. Regelmäßige, passende körperliche Aktivität gehört zur Behandlung.

Vor dem Arztgespräch

Gut vorbereitet in den Termin

Fragen für die eigene Einordnung

Zum Termin mitnehmen

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